Die Marschen südlich der Nordsee wurden in urgeschichtlichen Zeiten immer dann besiedelt, wenn der Anstieg des Meeres- und Sturmflutspiegels zurück ging und ausreichende landwirtschaftliche Nutzflächen zur Verfügung standen.
Einzelfunde aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit zeigen, dass die Marsch schon seit dieser Zeit immer wieder aufgesucht wurde. Die erste Besiedlung hat nach derzeitiger Kenntnis von etwa 900 bis 300 v. Chr. stattgefunden. Genutzt wurden zunächst nur die Uferwälle von Weser und Ems. In nachchristlicher Zeit begannen die Menschen mit künstlich errichteten Hügeln, den Wurten oder Warften, ihre Siedlungen vor dem Wasser zu schützen. Mit dem beginnenden Deichbau im 11. Jh. setzte der Schutz der landwirtschaftlichen Nutzflächen ein, bedingte aber auch Eingriffe in die natürliche Vegetation und den Sedimenthaushalt.
Nachbau eines bronzezeitlichen Hauses bei Rodenkirchen
Bronzezeit
Westlich von Rodenkirchen an der Unterweser wurde 1971 die bisher älteste Siedlung in der deutschen Marsch entdeckt. Drei Häuser einer Flachsiedlung kamen bei Baggerarbeiten zu Tage. Sie lagen auf dem flussabgewandten Hang des westlichen Uferwalls der Weser. Gezielte Ausgrabungen eines nördlich der Erstentdeckung gelegenen Hauses ab 1997 und die Zusammenarbeit mit Geologie, Archäobotanik und Archãozoologie ließen ein lebendiges Bild entstehen, wie der Mensch etwa um 900 v. Chr. diese Landschaft nutzbar machte. Gewohnt wurde in so genannten dreischiffigen Wohn-Stall-Häusern, d. h. Mensch und Vieh lebten unter einem Dach. Wirtschaftliche Grundlage war die Viehhaltung. Daneben wurden im Sommerfruchtbau Getreide kultiviert sowie Nüsse und Beeren gesammelt.
Vorrömische Eisenzeit
In das 7. bis 3. Jh. v. Chr. datieren Siedlungen wie Jemgum und Hatzum-Boomborg im Rheiderland an der Ems. Im Gegensatz zu den benachbarten Niederlanden, wo in dieser Zeit schon erste Wurten entstanden, blieben hier Flachsiedlungen bestehen. Mit einem starken Vorstoß der Nordsee einhergehend wurden die Siedlungen um 300 v. Chr. aufgegeben. Wegen der meist kleinen Grabungsflächen sind Grundzüge in der Besiedlung schwer zu erkennen. In Jemgum beispielsweise wurde nur ein Haupthaus komplett ausgegraben. Dieses hatte nicht den üblichen Stallteil und die Wandkonstruktion mit Spaltbohlenwänden war auch neu. Das führte zu Interpretationen wie einem saisonal aufgesuchten Platz ohne dauerhafte Besiedlung.
Wegen der meist kleinen Grabungsflächen sind Grundzüge in der Besiedlung schwer zu erkennen. In Jemgum beispielsweise wurde nur ein Haupthaus komplett ausgegraben. Dieses hatte nicht den üblichen Stallteil und die Wandkonstruktion mit Spaltbohlenwänden war auch neu. Das führte zu Interpretationen wie einem saisonal aufgesuchten Platz ohne dauerhafte Besiedlung.
Römische Kaiserzeit
Etwa in der Zeit ab 150 v. Chr. setzte ein Meeresrückzug ein und weite Flächen an der Küste konnten besiedelt werden. Es entstanden ganze Ketten nicht weit von einander entfernter Siedlungen. Zunächst wurde zu ebener Erde gewohnt. Als Mitte des 1. Jhs. n. Chr. das Wasser wiederkam, begann man Wurten zu bauen. Durch eine systematische Erhöhung der Wohnstätten mit Mist und Klei entstanden die „Troias des Nordens“. Sie bieten den Archäologen
einmalige Erhaltungsbedingungen für organische Funde wie Holz, Leder, Knochen usw. Erst Mitte des 5. Jhs. gab es neue Veränderungen. Diesmal müssen aber andere Gründe als die Bedrohung durch das Wasser ausschlaggebend gewesen sein. Die Sachsen wanderten nach Westen und Südwesten aus.
Mittelalter
Im frühen Mittelalter – noch befand sich die Nordsee in einer Rückzugsphase – wurden neue Flachsiedlungen gegründet. Mit einem erneuten Meeresvorstoß setzte der Wurtenbau und Ausbau abermals ein. Die hier siedelnden Menschen waren Friesen.
Sie dehnten sich von ihrem niederländischen Kerngebiet nach Osten aus. Um 800 n. Chr. unterwarf Karl der Große die Sachsen und Friesen und in der Folge setzten neue Entwicklungen ein. Die Bevölkerungsdichte nahm zu und zuvor gemiedene Landstriche wie z. B. das Sietland, wurden nun besiedelt. Es gab neue Verwaltungsstrukturen, die später in die Entstehung der friesischen Landesgemeinden und der nachfolgenden Häuptlingsherrschaften mündeten.
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