Inseldynamik

Die Ursache für die Veränderung der Größe und der Lage aller Ostfriesischen Inseln ist im Tidevolumen (Gesamtmenge des bei Ebbe und Flut bewegten Wassers), der Flut- und Ebbstromdauer, der Frischwasserzufuhr sowie dem Ein- bzw. Austrag von Sedimenten zu suchen. Diese Kräfte wurden durch die Landgewinnung und die Eindeichung entscheidend beeinflusst, wodurch die natürliche Entwicklung der Morphologie des gesamten Wattenraumes unterbrochen wurde. Somit sind die heutigen Ausprägungen der Ostfriesischen Inseln im Wesentlichen ein Ergebnis der Inselsicherung: Die direkte Folge der Eindeichung ist ein künstlich verkleinertes Watteinzugsgebiet. Daraus resultiert die Abnahme des Tidevolumens, die ihrerseits wiederum eine Versandung verursacht und ein Längenwachstum der Inseln ermöglicht.

Die Insel Wangerooge beispielsweise, die vermutlich schon vor rund 2.000 Jahren existierte, hat damals wesentlich weiter im Westen gelegen. Im Laufe der letzten Jahrhunderte hat sich die Insel durch den Einfluss von Wind und Meeresströmungen langsam nach Osten verlagert; in der Zeit von 1650 bis heute um 2.010 Meter. Heute ist Wangerooge eine reine Düneninsel und hat seit dem Mittelalter den alten Inselkern durch die Ostverlagerung verloren.

Verlagerung von Wangerooge

Seit 1874 Ist die Entwicklung der gesamten Insel Wangerooge und der angrenzenden Seegaten durch den Bau von Schutzwerken geprägt. Diverse Dünendeckwerke mit insgesamt 5,7 km Länge, Strandmauern, 10,5 k m Schutzdünen, Dämme, Hauptdeiche (6,0 km Länge) und Lahnungen sichern neben den Buhnen die Insel. Sandaufspülungen und die Anlage von Buschzäunen verstärken die Dünenbildung.